Instant Payment auf dem Vormarsch

PayPal, ApplePay, GooglePay – die Zahlungsdienstbranche ist im Wandel, neue Lösungen boomen. Beinahe im Monatstakt werden alternative Zahlungsverfahren vorgestellt, die es Verbrauchern noch einfacher machen, Geld auszugeben. Dem gegenüber ist das Image der guten alten Überweisung ein wenig angestaubt. Sie wirkt, mit der geforderten Eingabe von Kontonummern und Transaktionscodes, etwas umständlich und gilt als schwerfällig: Mitunter dauert es Tage, bis die Gutschrift beim Empfänger verbucht ist.

Dabei entwickelt sich die Überweisung ständig weiter. Instant Payment heißt das Zauberwort: So lassen sich Überweisungen mittlerweile ganz einfach vom PC oder über die Smartphone-App in Sekundenschnelle tätigen. Das besonderer an dieser Echtzeitzahlung ist, dass das übermittelte Geld auf dem Empfängerkonto sofort verfügbar ist. Den Anstoß dazu gab 2014 eine Initiative des European Retail Payments Board (ERPB), die auf der Idee basierte, Echtzeitzahlungen rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr anzubieten. Aus diesen Vorgaben entstand mit dem SCT Inst. Scheme (SEPA Credit Transfer Instant Scheme), ein neues, auf der SEPA-Überweisung basierendes, europäisches Echtzeit-Bezahlverfahren.

Eine Chance für traditionelle Banken

Mit seiner Vision von Instant Payments läutete das ERPB allmählich das Ende bisher gepflegter Geschäftspraktiken bei traditionellen Banken ein. In der Vergangenheit sammelten diese eingehende Überweisungsaufträge und gaben sie dann konsolidiert an ein Clearinghaus weiter. Eine Zumutung verglichen mit alternativen Zahlungsarten wie PayPal oder Kreditkarten, bei denen die Autorisierung und Buchung der Zahlung unmittelbar erfolgt.

Dank Instant Payment können nun auch traditionelle Banken via Überweisung mit neuen Zahlungsmöglichkeiten Schritt halten und im Rennen um Kundenwünsche, Usability und Zahlungshoheit gleichziehen. Immer häufiger erwachen Banken aus ihrem jahrelangen Winterschlaf und nutzen die Vorteile des Instant Payments: Nach der Hypovereinsbank und den Sparkassen bieten mittlerweile auch die Deutsche Bank und die Commerzbank sowie, seit Kurzem, die Volks- und Raiffeisenbanken schnelle Überweisungen an. Echtzeitüberweisungen sind bis zur Höhe von 15.000 Euro innerhalb von maximal 20 Sekunden auf dem Empfängerkonto gutgeschrieben.

Potenziale der Echtzeitzahlung liegen im Onlinehandel und Travelmarkt

Die neue Lust an der Geschwindigkeit kommt vor allem im Onlinehandel zum Tragen. Viele Kunden präferieren nach wie vor die klassische Banküberweisung – sei es als primäres Zahlungsmittel für Vorkasse-Zahlungen, beim Zahlen auf Raten oder auch beim Rechnungskauf. Letztere Zahlungsart ist auf der Beliebtheitsskala der Deutschen nach wie vor Spitzenreiter. Händler lieben den schnelleren Zahlungseingang und goutieren diesen mit einem beschleunigten Versand. Kunden profitieren von der zeitgemäß schnellen Abwicklung. Noch deutlicher wird dieser Tempo-Vorteil im Reisemarkt: Hier entfällt sogar der Versand von Produkten. Tickets, Voucher und Reiseunterlagen können nach Zahlungseingang direkt online generiert und dem Kunden zugestellt werden. Zudem schätzen Händler die Sicherheit der Instant Payments. Die Zahlungen sind, da unmittelbar autorisiert, unwiderruflich – Zahlungsausfälle sind ausgeschlossen.

Instant Payment: Ein erster Schritt zur bargeldlose Gesellschaft?

All diese Argumente sorgen dafür, dass die Echtzeitüberweisung das Potenzial zum neuen Zahlungsstandard im Online-Handel hat – und nicht nur dort. Instant Payments sind selbstverständlich auch bei Zahlungen im Supermarkt, Möbelhaus oder Restaurant denkbar, per App könnte die sekundenschnelle Überweisung die Bargeld- oder Girokartenzahlung ersetzen. Doch auch hier gilt, wie so oft: Der Kunde ist König. Und dessen Meinung hängt davon ab, welchen Nutzen ihm die neue Zahlungsform bietet. Schnelligkeit und Komfort sind ein guter Anfang. Allerdings versuchen einige Banken, ganz in der alten Welt verharrend, die Blitzüberweisung mit Gebühren zu belegen. Je nach Kontomodell und Bank sind Zusatzkosten von bis zu 2,50 Euro pro Überweisung fällig. Wie lange dieses Geschäftsmodell aus dem Gestern noch tragen wird, bleibt abzuwarten; sicher ist bereits jetzt: Wenn Hemmnisse wie diese dank moderner Mitbewerber aus dem Weg geräumt sind, steht einer breiten Akzeptanz der Instant Payments nichts mehr im Wege.

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